20. August 2012

Die Altkleider Lüge und ihre Lösung

Unter umwelt- und menschenverachtenden Bedingungen entstehen Kleidungsstücke zu Hungerlöhnen in Fernost. Der reiche Westen trägt die Stücke eine Saison. Dann landen sie in Sammelcontainern, in der Illusion, bedürftige würden die Kleider auftragen. Irrtum: Mit den Kleidern wird ein hart umkämpftes und lukratives Geschäft gemacht. Es blühen die Second-Hand-Märkte in Asien und Afrika und zerstören vor Ort die Textilindustrie. Was nicht mehr verwendbar ist, wird weiterverkauft und zu Innenauskleidung von Autos oder Dämmstoffe gemacht. Hier die spannenden Dokumentationen, die zu dem Thema „Altkleider Lüge“ in den letzten Monaten entstanden sind:



Film 1: Der Preis der Blue-Jeans (ARD)
Zeigt, unter welchen katastrophalen Bedingungen für die Gesundheit der Arbeiter und der Umwelt, Jeans in China entstehen. Die Verantwortung wird von allen Beteiligten weg geschoben.

Film 2: Das Geschäft mit den Altkleidern (ZDF)
Zeigt, wohin die Altkleider aus den (sozialen) Containern wirklich kommen: Russland, Industrie. Von Sozial keine Spur.

Film 3: Die Altkleider Lüge (ARD/NDR)
Zeigt, wohin noch Altkleider aus Sammelcontainern gehen: Afrika. Und wie vor Ort die Textilindustrie zusammengebrochen ist.

Wer kann nach diesen Reportagen noch ständig neue Kleidung kaufen?

Bewusst werden und verantwortlich handeln
Machen wir uns bewusst, das:
1. wir die Dummen sind, die das große Geld des Erstkäufers hinlegen. Und eine Scharr Kleider-Geier darauf wartet, das wir die Ware endlich wegwerfen, damit das nächste Geschäft abgewickelt werden kann.
2. wir an der Nase rumgeführt werden mit der Lüge, es würde eine „Soziale Spende“ werden
3. wir mit der ewig Gier nach Neuem und Trendigem globale Probleme erzeugen, wie Umweltprobleme, Gesundheitsprobleme, Ressourcenverschwendung, Arbeits-Sklaven zu Hungerlöhnen, Zerstörung lokaler Produktion u.v.m.

Stoppt den Wahnsinn
Jeder kann etwas tun. Unsere Kaufmotivation ist nur zu einem geringen Anteil der wirkliche Bedarf an etwas anzuziehen. Keiner von uns ist nackt. Jeder hat im Schrank weit mehr, als er regelmäßig trägt.

Eigentlich suchen wir doch nur eine Art Befriedigung!
- Wir wollen etwas Neues, weil die Freude am Alten immer so schnell verfliegt. Das wird mit dem nächsten, neuen Kleidungsstück aber wieder so sein, wenn unser Leben freudlos ist. Wäre es nicht besser, inneres Glück & Freude zu finden?
- Wir müssen uns etwas gönnen, weil uns die Dinge in unserem Leben auslaugen. Wer aber Energieräuber in seinem Alltag hat, sollte vielleicht diese raus schmeißen, statt dauernd durch Kaufhandlung etwas kompensieren zu müssen.
- Wir müssen uns aufwerten, weil wir glauben inneren Mangel durch äußere Dinge wegmachen zu können. Ob das ein Kleidungsstück schafft?
- Wir wollen dazu gehören und hoffen, Anerkennung, Geselligkeit und Freundschaft durch Marken- und Trendklamotten zu bekommen. Aber was wollen wir von Mitmenschen, die unsere inneren Werte gar nicht interessieren?
- Wir wollen hipp sein, wie jemand, der wir gar nicht sind. Ob es da nicht mehr Sinn macht, an sich zu arbeiten, als an seinem Styling?

Sich allein diese inneren, tatsächlichen Gründe für Kleidungs-Shopping klar zu machen, kann viel bewirken.

Wege zu neuen (alten) Klamotten
Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, um an neue Kleider zu kommen, die alle mal besser sind, als den industriellen Kleider Irrsinn mitzumachen.

1. Tauschen
Etwas Neues bekommt man auch, wenn man die besten Freunde einlädt und jeder bring seine abgetragenen Kleidungsstücke mit. Eine große Tauschparty mach mehr Spaß, bleibt länger in Erinnerung, man lernt vielleicht neue Leute kennen und es endet mit dem gleichen Effekt, wie Shopping: Man hat neue Lieblingsstücke im Schrank. Inzwischen werden Tauschpartys sogar gewerblich organisiert. Für einen Eintritt von über 10 Euro kann man teilnehmen und tauschen. Ganz ehrlich, ist das nötig? Das geht doch auch im privaten Kreis.

Tauschen funktioniert bereits sehr gut unter jungen Eltern, die sich die Kleidungsstücke der lieben Kleinen durchreichen, bis sie zerfallen. Öffnet einfach mal das Bewusstsein dafür, das das auch unter den Lieben Großen geht.

Eine neue Art des Tauschens, sind „share&care –Gruppen“, die sich inzwischen im Internet und mit Regionalbezug finden. Dabei steht nicht das „entsorgen“ unliebsam gewordener Kleidungsstücke im Vordergrund, sondern das miteinander, füreinander, kommunikative, gesellige, unterstützende, menschliche.

In einigen Städten gibt es auch „Umsonst-Läden“ oder Giveboxen. Orte, wo man sein altes Zeug abgeben kann und sich selbst etwas aussuchen. Augen auf und entdeckt die Möglichkeiten eurer Stadt.

2. Auftragen
Kinder mit großen Geschwistern können ein Lied davon singen, wie es ist, Kleidungsstücke auftragen zu „müssen“. Aber wieso nur unter den Kindern auftragen lassen? Das geht auch unter Jugendlichen und Erwachsenen. Und dann macht es wieder soviel Spaß, wie tauschen. Erst recht, wenn man handwerklich begabt dem alten Stück einen neuen Akzent verpasst.

3. Upcyclen
Dieser Begriff meint nichts anderes, wie „aus alt mach neu“. Schere, Nadel, Faden, Nähmaschine und los geht es. Individueller Style ist dann garantiert. Und ein wirksames Mittel gegen die achso langweilige freie Zeit ist es auch.

Wege zur sinnvollen Entsorgung
Wer so ganz und gar nicht einen neuen Umgang mit alten Kleidern versuchen will (siehe oben: Wege zu neuen/alten Klamotten), und wirklich immer noch wegwerfen will, der sollte auch dies unbedingt bewusst tun. Weggeworfen ist schnell und damit die Altkleiderlüge aufrecht erhalten.

1. zuverlässig spenden (schenken)
„Fair Wertung“ (http://www.fairwertung.de) bemüht sich, seriöse Kleider-Sammler zu bestimmen. Nicht jeder Sammel-Container genügt dem Anspruch. Der Besuch der Homepage lohnt. Genauso der Rückruf der angegebenen Telefonnummer am Container. Wer den Containern nicht traut, findet in jeder Stadt soziale Verbände (wie Caritas) und kann dort im persönlichen Gespräch erfahren, ob für lokal Bedürftige gesammelt wird.

2. Trödeln
Wer tatsächlich noch einmal Geld mit den alten Textilien machen will, kann dies lokal über Trödelmärkte bzw. das Internet nutzen. Sicher ist dabei: die Kleidung findet einen lebenden, dankbaren Interessenten im Umland. Und außer dir macht niemand Geld mit deinen Kleidungsstücken.

3. in Second Hand-Läden abgeben
Um die lokale Wirtschaft zu unterstützen, kann man einen Second Hand Laden bitten, die Kleidungsstücke anzunehmen und zu verkaufen. Der Gewinn wird meist geteilt. So haben mehrere etwas davon, dass die Kleidungsstücke ein zweites Leben bekommen.

4. eigene Ideen
Jeder größere Stadt hat eine Bahnhofsmission, wo man sich erkundigen kann. Auch an den sozialen Tafeln stehen täglich bedürftige Menschen Schlange. Wieso nicht dort einfach mal etwas verschenken? Auch (echte) Bettler im Stadtbild freut Kleidung sicher genauso, wie 1 Euro. Kindergärten, Kinderheime, Asylantenheime, Obdachlosenheime… Lasst eurer Kreativität freien Lauf, wer sich über alte Kleidungsstücke freuen könnte. Es ist alle mal eine größere Erfahrung, Dinge persönlich zu verschenken, als nur in Container zu versenken.

5. Sammlung für Hilfsprojekte
Besonders in der Weihnachtszeit machen sich Hilfsgüter auf den Weg ins Ausland mit Spenden. Die Aufrufe dazu starten meist soziale Vereine. Gleiches passiert nach Humanitären Katastrophen. Augen & Ohren auf und sinnvoll gespendet!

Es gibt sicher noch mehr Ideen, um zu neuen Kleidungsstücken zu kommen oder alte sinnvoll zu entsorgen, ohne dass irgendwo auf dieser Welt Billigprodukte entstehen müssen zu katastrophalen Umweltbedingungen. Ganz zu schweigen von den Rohstoffen verschlingenden Produktions- und Handelswegen. Es ist auf diesem Globus alles millionenfach da. Wir können aufhören zu produzieren. Übernehmt Verantwortung für eure Kleidungsstücke!

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